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Meditation Retreat: Auswahl, Kosten und Anbieter in Deutschland

Ein Meditation Retreat ist ein mehrtägiger Aufenthalt, in dem Meditation den Tagesablauf bestimmt: angeleitete Sitzungen, Gehmeditation, Stille, Vorträge, oft vegetarische Kost und früher Beginn. Die Formate reichen vom Wochenende im Tagungshaus bis zum zehntägigen Vipassana-Kurs. Wie man das passende Retreat auswählt, was es kostet, welche Anbieter es in Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt und was man vorher wissen sollte.

Redaktion transpersonal.de· Stand:

Redaktionell erstellt anhand offengelegter Quellen. Kein Ersatz für psychotherapeutischen oder ärztlichen Rat.

Formate

Einsteigerretreat (2 bis 5 Tage). Angeleitete Sitzmeditation in Blöcken von 20 bis 45 Minuten, Gehmeditation, Vorträge, Fragerunden, oft Yoga oder Körperarbeit. Sprechen ist erlaubt, häufig mit Schweigezeiten am Abend und Morgen. Gut für alle, die erst prüfen wollen, ob ihnen die Form liegt.

Schweigeretreat (5 bis 10 Tage). Vollständiges Schweigen außer in Einzelgesprächen mit der Leitung. Meditation in längeren Blöcken, insgesamt 6 bis 10 Stunden täglich. Das Format, in dem sich die Wirkung von Retreats am deutlichsten zeigt.

Vipassana nach Goenka (10 Tage). Die strengste weit verbreitete Form: Schweigen, keine Lektüre, kein Schreiben, keine Elektronik, 10 Stunden Meditation täglich, kostenlos. Weltweit standardisiert.

MBSR-Retreat (5 bis 7 Tage). Säkular, an Jon Kabat-Zinns Stressbewältigungsprogramm orientiert, oft Bestandteil der MBSR-Lehrerausbildung. Achtsamkeitsmeditation, Body Scan, Yoga, Schweigen.

Zen-Sesshin (3 bis 7 Tage). Formstrenge Sitzmeditation (Zazen) in kurzen Blöcken über den ganzen Tag, Rezitation, Arbeitsmeditation, Einzelgespräche mit dem Lehrer (Dokusan).

Tibetisches Retreat (Wochenende bis Wochen). Meditation eingebettet in Ritual, Rezitation, Visualisierung. Für Menschen, die mit religiöser Form nichts anfangen können, weniger geeignet.

Kosten

Anbieter Tagessatz inkl. Unterkunft und Verpflegung
Vipassana nach Goenka 0 Euro, Spende freiwillig
Buddhistische Zentren, Klöster 40 bis 90 Euro, oft Dana (Spende) für die Lehrenden zusätzlich
Tagungshäuser mit Meditationslehrer 90 bis 180 Euro
Kommerzielle Retreat-Häuser mit Programm 150 bis 400 Euro
Retreat-Hotels, „Wellness-Retreat“ 300 Euro aufwärts

Die teuerste Variante ist nicht die beste. Die Häuser, in denen die intensivste Praxis stattfindet, sind meist die günstigsten, weil sie von Gemeinschaften getragen werden.

Anbieter im deutschsprachigen Raum

Ohne Anspruch auf Vollständigkeit, sortiert nach Tradition:

  • Vipassana: Dhamma Dvara in Triebel (Vogtland), Dhamma Pabha in Österreich, Dhamma Sumeru in der Schweiz; daneben Vipassana in der Tradition von Mahasi Sayadaw oder Ajahn Chah in Häusern wie dem Buddha-Haus Allgäu oder Waldhaus am Laacher See.
  • Zen: Benediktushof Holzkirchen (Willigis Jäger), Zen-Klöster in der Linie von Deshimaru und Sawaki, Zendo-Gruppen in vielen Städten.
  • Tibetisch: Kamalashila-Institut (Eifel), Tibetisches Zentrum Hamburg, Rigpa-Zentren.
  • Säkular/MBSR: Retreats über den MBSR-MBCT-Verband, Seminarhäuser wie Haus Schwalbennest oder das Seminarhaus Engl.
  • Christlich-kontemplativ: Exerzitienhäuser der Jesuiten, Benediktinerklöster (Münsterschwarzach, Beuron), Kloster Kirchberg.

Worauf man achten sollte

Erfahrung der Leitung (Jahre eigener Praxis, Ausbildung, Lehrerlaubnis in einer Tradition), Betreuung während des Retreats (tägliche Sprechzeiten, Einzelgespräche), Abfrage von Ausschlusskriterien (psychische Vorerkrankungen, akute Krisen), klare Regeln vorab (Handy, Lektüre, Ernährung), Gruppengröße (unter 30 ist besser betreut). Die Meditationsforschung (Britton und andere) hat gezeigt, dass intensive Praxis bei einem Teil der Teilnehmenden belastende Effekte auslöst; ein Retreat ohne kompetente Begleitung ist deshalb kein gutes Retreat, egal wie schön das Haus.

Wer mehr sucht als Praxis, findet unter Ausbildung die Wege zur Lehrtätigkeit; den Rahmen liefert die transpersonale Psychologie. Alle Formate: Retreats und Ausbildung.

Häufige Fragen

Brauche ich Meditationserfahrung für ein Retreat?

Für Einsteigerretreats (meist 2 bis 5 Tage, mit Anleitung) nein. Für Schweigeretreats ab 7 Tagen und für Vipassana nach Goenka ist keine Erfahrung vorgeschrieben, aber eine regelmäßige Praxis von einigen Wochen macht den Einstieg leichter.

Wie finde ich ein Retreat in meiner Nähe?

Über die Verzeichnisse der Deutschen Buddhistischen Union, der Österreichischen Buddhistischen Religionsgesellschaft und der Schweizerischen Buddhistischen Union, über MBSR-Verbände für säkulare Retreats, über dhamma.org für Vipassana. Kommerzielle Plattformen wie BookRetreats listen viele Häuser, aber ohne Qualitätsprüfung.

Was passiert, wenn ich abbrechen will?

Seriöse Anbieter lassen Sie gehen, raten aber zu einem Gespräch mit der Leitung vorher, weil Abbruchwünsche am dritten und vierten Tag typisch sind und meist vorbeigehen. Bei Vipassana-Kursen wird um Durchhalten gebeten, aber niemand wird festgehalten.

Quellen

  • Deutsche Buddhistische Union: Verzeichnis der Zentren und Retreat-Häuser, Stand 2026.
  • MBSR-MBCT Verband: Lehrerverzeichnis und Retreat-Angebote.
  • Vipassana Meditation (dhamma.org): Kurszentren Dhamma Dvara (Triebel), Dhamma Pabha (Österreich), Dhamma Sumeru (Schweiz).
  • Goyal, Madhav et al.: Meditation programs for psychological stress and well-being: a systematic review and meta-analysis. JAMA Internal Medicine 174 (2014).

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