Lichttherapie: Tageslichtlampen, Rotlicht und was belegt ist
Lichttherapie ist die medizinisch belegte Anwendung von Licht: helles Tageslicht gegen Winterdepression, UV-Bestrahlung bei Hauterkrankungen, Rotlicht und Infrarot bei Muskel- und Gelenkbeschwerden, Blaulicht bei Neugeborenengelbsucht. Sie ist nicht dasselbe wie „Biophotonen-Therapie“, auch wenn beide mit Licht arbeiten. Welche Formen es gibt, was belegt ist, worauf man bei Tageslichtlampen achtet und wo die Grenze zur Esoterik verläuft.
Redaktion transpersonal.de· Stand:
Redaktionell erstellt anhand offengelegter Quellen. Kein Ersatz für psychotherapeutischen oder ärztlichen Rat.
Formen der Lichttherapie
| Form | Licht | Anwendung | Evidenz |
|---|---|---|---|
| Helllichttherapie | Weißes Licht, 10.000 Lux, UV-frei | Saisonale Depression, Schlaf-Wach-Störungen, Schichtarbeit | gut, Leitlinienempfehlung |
| UV-Phototherapie | UVB 311 nm, PUVA | Psoriasis, Neurodermitis, Vitiligo | gut, dermatologischer Standard |
| Phototherapie Neugeborene | Blaulicht 460 nm | Neugeborenengelbsucht | sehr gut, Standard |
| Rotlicht / Infrarot | 600 bis 1.000 nm, Wärme | Verspannung, Gelenkschmerz, Nebenhöhlen | Wärmewirkung belegt |
| Photobiomodulation (LLLT) | LED/Laser, rot und nahinfrarot, niedrige Dosis | Wundheilung, Schleimhautentzündung bei Chemotherapie, Schmerz | mittel, uneinheitlich |
| Photodynamische Therapie | Licht plus Photosensibilisator | Aktinische Keratosen, bestimmte Hauttumoren | gut, Standard |
| Biophotonen-Therapie | Glasstäbe, Platten, Pflaster | „Ordnung des Biophotonenfelds“ | keine kontrollierten Studien |
Helllichttherapie bei Winterdepression
Die saisonal abhängige Depression (SAD) betrifft in Deutschland schätzungsweise 2 bis 5 Prozent der Bevölkerung, mit Beginn im Oktober oder November und Besserung im Frühjahr. Symptome: gedrückte Stimmung, erhöhter Schlafbedarf, Heißhunger auf Kohlenhydrate, Antriebslosigkeit. Der Mechanismus läuft über die innere Uhr: Zu wenig Morgenlicht verschiebt die Melatonin-Ausschüttung.
Helles Licht am Morgen setzt die Uhr zurück. Die Metaanalyse von Golden und Kollegen (2005) fand für Helllichttherapie bei SAD Effektstärken, die mit Antidepressiva vergleichbar sind. Die deutsche S3-Leitlinie empfiehlt sie als Erstbehandlung bei leichter bis mittlerer saisonaler Depression.
Worauf es bei der Lampe ankommt:
- 10.000 Lux im angegebenen Abstand (billige Geräte erreichen das nur bei 10 cm)
- UV-Filter, Medizinprodukt-Kennzeichnung (CE mit Nummer der benannten Stelle)
- Große Leuchtfläche, damit die Position nicht exakt sein muss
- Flimmerfrei, neutralweiß (5.000 bis 6.500 Kelvin)
- Kein Blaulicht-Gerät bei Augenerkrankungen oder Medikamenten, die lichtempfindlich machen
Anwendung: täglich morgens 30 Minuten (bei 10.000 Lux), Blick zur Lampe, dabei lesen oder frühstücken. Wer abends anwendet, verschiebt die Uhr in die falsche Richtung.
Rotlicht, Infrarot, Photobiomodulation
Die klassische Rotlichtlampe wirkt über Wärme: Infrarotstrahlung dringt wenige Millimeter in die Haut, erwärmt das Gewebe, erweitert Gefäße. Das lindert Verspannungen, Nebenhöhlenbeschwerden und manche Gelenkschmerzen. Die Evidenz dafür ist alt und solide, der Effekt ist derselbe wie bei einer Wärmflasche mit besserer Tiefenwirkung.
Photobiomodulation (früher Low-Level-Lasertherapie) verwendet rotes und nahinfrarotes Licht in Dosen, die nicht wärmen. Der postulierte Mechanismus: Licht bei 600 bis 900 nm wird von der Cytochrom-c-Oxidase in den Mitochondrien absorbiert und regt die Zellenergie an. Für Mukositis unter Chemotherapie und bestimmte Wundheilungsstörungen gibt es positive kontrollierte Studien; für Hautverjüngung, Haarwachstum und Muskelaufbau ist die Lage uneinheitlich. Die LED-Panels für zu Hause sind meist unterdosiert und unstandardisiert.
Wo die Grenze zur Biophotonen-Therapie liegt
Alle oben genannten Verfahren führen Licht zu und haben einen benennbaren physikalischen oder biochemischen Mechanismus: Wärme, DNA-Schädigung von Hautzellen (UV bei Psoriasis), Umwandlung von Bilirubin, Anregung von Mitochondrien. Die Biophotonen-Therapie behauptet dagegen, das körpereigene Lichtfeld zu „ordnen” oder „aufzuladen”. Dafür gibt es weder einen nachgewiesenen Mechanismus noch klinische Studien. Dass Zellen Licht abgeben, ist belegt (Fritz-Albert Popp); dass man dieses Licht therapeutisch beeinflussen kann, nicht. Wer Lichttherapie sucht, sollte deshalb bei den belegten Verfahren bleiben und für alles andere den Preis als Preis für eine Hypothese verstehen.
Häufige Fragen
Welche Tageslichtlampe hilft bei Winterdepression?
Eine mit mindestens 10.000 Lux in 30 bis 50 Zentimetern Abstand, UV-gefiltert, als Medizinprodukt zertifiziert. Anwendung: morgens 30 Minuten, Blick zur Lampe ohne direktes Hineinstarren, täglich von Oktober bis März. Wirkung tritt meist nach ein bis zwei Wochen ein.
Zahlt die Krankenkasse Lichttherapie?
Bei saisonaler Depression ist die Lampe für zu Hause in der Regel keine Kassenleistung; einzelne Kassen bezuschussen auf ärztliche Empfehlung. UV-Therapie in der Dermatologie und Phototherapie bei Neugeborenen sind Kassenleistungen.
Ist Rotlicht gesund?
Rotlicht- und Infrarotlampen wärmen Gewebe und fördern die Durchblutung; das lindert Muskelverspannungen und manche Gelenkbeschwerden. Für die vermarktete „Photobiomodulation“ mit LED-Panels gegen Hautalterung, Haarausfall oder Wundheilung gibt es kleinere Studien mit gemischten Ergebnissen. Augen schützen, Abstand einhalten.
Quellen
- S3-Leitlinie Unipolare Depression, Nationale VersorgungsLeitlinie, Version 3 (2022): Empfehlung zur Lichttherapie bei saisonaler Depression.
- Golden, Robert et al.: The efficacy of light therapy in the treatment of mood disorders: A review and meta-analysis. American Journal of Psychiatry 162 (2005).
- Deutsche Dermatologische Gesellschaft: Leitlinie Phototherapie (UV-Therapie) bei Psoriasis und atopischer Dermatitis.
- Hamblin, Michael: Mechanisms and applications of the anti-inflammatory effects of photobiomodulation. AIMS Biophysics 4 (2017).
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