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Außerkörperliche Erfahrung: Was passiert und wie man sie einordnet

Eine außerkörperliche Erfahrung (AKE, englisch out-of-body experience, OBE) ist das Erleben, sich außerhalb des eigenen Körpers zu befinden und die Welt, oft den eigenen Körper, von einem anderen Standpunkt aus wahrzunehmen. Etwa 10 Prozent der Menschen berichten mindestens eine solche Erfahrung, meist im Einschlafen, unter Narkose, in Todesnähe oder in tiefer Entspannung. Was dabei passiert, was die Neurowissenschaft herausgefunden hat und wie die transpersonale Psychologie die Erfahrung einordnet.

Redaktion transpersonal.de· Stand:

Redaktionell erstellt anhand offengelegter Quellen. Kein Ersatz für psychotherapeutischen oder ärztlichen Rat.

Wie die Erfahrung aussieht

Betroffene beschreiben, dass sie plötzlich über ihrem Körper schweben, oft unter der Zimmerdecke, und sich selbst liegen sehen. Die Wahrnehmung ist klar, manchmal klarer als im Wachzustand. Bewegung geschieht durch Absicht, nicht durch Muskeln. Manche berichten von einer Schnur oder Verbindung zum Körper, andere von einer Wand, die sie nicht durchdringen können, wieder andere von weiten Reisen. Die Erfahrung endet meist abrupt mit einem „Ruck” zurück in den Körper.

Die Auslöser sind bekannt: die Einschlafphase und das Aufwachen (besonders bei Schlafparalyse), Narkose und Operationen, Herzstillstand (als Teil einer Nahtoderfahrung), tiefe Meditation, extreme Erschöpfung, Ketamin und andere dissoziative Substanzen, seltener Migräne oder Epilepsie.

Was die Neurowissenschaft gefunden hat

2002 stimulierte der Neurologe Olaf Blanke in Genf bei einer Epilepsiepatientin mit Elektroden den rechten Gyrus angularis und löste reproduzierbar das Gefühl aus, über dem eigenen Körper zu schweben. Die Region gehört zum Temporoparietal-Übergang, der Informationen aus Gleichgewicht, Körperlage und Sehen zu einem Körperbild zusammensetzt. Wird diese Integration gestört, kann das Selbst „aus dem Körper fallen”.

2007 zeigte Henrik Ehrsson in Stockholm, dass sich die Erfahrung bei gesunden Menschen mit einer Virtual-Reality-Kamera erzeugen lässt: Wer sich selbst von hinten sieht und gleichzeitig berührt wird, verlagert sein Selbstempfinden hinter den Körper. Die außerkörperliche Erfahrung ist demnach kein Verlassen des Körpers, sondern eine Verlagerung des Punktes, von dem aus das Gehirn „Ich” verortet.

Was diese Befunde nicht erklären: Berichte, in denen Menschen Dinge beschreiben, die sie aus ihrer Körperposition nicht hätten sehen können. Die dokumentierten Fälle sind anekdotisch; kontrollierte Studien mit versteckten Zielen (AWARE) haben keinen verifizierten Treffer erbracht. Susan Blackmore, selbst Betroffene und jahrzehntelang Forscherin, kommt zu dem Schluss, dass die Erfahrung ein Modell des Gehirns ist, das sich lebensecht anfühlt.

Die transpersonale Deutung

Die transpersonale Psychologie muss sich nicht entscheiden, ob die Seele fliegt. Sie fragt, was die Erfahrung für den Menschen bedeutet. Marco Bischof argumentierte in seinem Essay „Unsere Seele kann fliegen. Außerkörperlichkeit als neues Paradigma” (Transpersonale Perspektiven, 2000), der jahrelang unter dieser Adresse stand, dass die Berichte als Herausforderung an unser Bild von Bewusstsein ernst genommen werden sollten, statt sie vorab als Halluzination abzulegen. Sein Punkt: Dass eine Erfahrung im Gehirn erzeugt werden kann, beweist nicht, dass sie immer dort erzeugt wird. Das ist ein logisch korrekter, wissenschaftlich aber unbequemer Einwand, weil er nicht falsifizierbar ist.

Was sich sagen lässt: Menschen, die eine außerkörperliche Erfahrung hatten, berichten wie nach anderen transzendenten Erfahrungen von geringerer Todesangst und einem veränderten Verhältnis zum Körper. Für viele ist die Erfahrung der Beginn einer Beschäftigung mit Meditation oder Bewusstseinsforschung.

Robert Monroe und die „Astralreise”

Der amerikanische Rundfunkunternehmer Robert Monroe erlebte ab 1958 spontane außerkörperliche Zustände und beschrieb sie 1971 in „Journeys Out of the Body”, das den Begriff OBE in die Alltagssprache brachte. Er gründete das Monroe Institute in Virginia, das mit Audiotechniken (Hemi-Sync) arbeitet, um solche Zustände zu fördern. Die esoterische Tradition spricht von „Astralreisen” und „Astralkörper”; die Begriffe stammen aus der Theosophie des 19. Jahrhunderts und tragen ein Weltbild mit, das die Forschung nicht teilt. Wer die Erfahrung sucht, ohne das Weltbild zu übernehmen, findet in Monroes Beschreibungen trotzdem die genaueste Anleitung. Alle Formen im Überblick: Grenzerfahrungen.

Häufige Fragen

Kann man eine außerkörperliche Erfahrung absichtlich herbeiführen?

Es gibt Techniken (Robert Monroes Methode, Entspannung an der Schlafgrenze, bestimmte Meditationsformen), und im Labor lassen sich ähnliche Zustände durch Stimulation des Temporoparietal-Übergangs oder durch Virtual-Reality-Illusionen erzeugen. Verlässlich reproduzierbar auf Kommando ist die spontane Erfahrung nicht.

Ist eine außerkörperliche Erfahrung gefährlich?

Nein. Sie ist in der Regel kurz, klingt von selbst ab und hinterlässt keine Schäden. Beunruhigend ist sie vor allem, wenn sie unerwartet auftritt und die Person nicht weiß, was geschieht. Tritt sie häufig und ungewollt auf, sollte eine Schlafstörung (Schlafparalyse, Narkolepsie) oder eine neurologische Ursache abgeklärt werden.

Verlässt die Seele wirklich den Körper?

Das ist wissenschaftlich nicht belegt. Versuche, Wahrnehmungen aus der außerkörperlichen Perspektive zu verifizieren (versteckte Zielobjekte), haben bislang keine bestätigten Treffer erbracht. Die Erfahrung ist real; ob sie eine Wahrnehmung oder ein Erleben ist, bleibt offen.

Quellen

  • Blanke, Olaf et al.: Stimulating illusory own-body perceptions. Nature 419 (2002).
  • Ehrsson, Henrik: The experimental induction of out-of-body experiences. Science 317 (2007).
  • Monroe, Robert: Der Mann mit den zwei Leben. Reisen außerhalb des Körpers. Ansata, Interlaken 1972.
  • Bischof, Marco: Unsere Seele kann fliegen. Außerkörperlichkeit als neues Paradigma. Transpersonale Perspektiven 6 (2000).
  • Blackmore, Susan: Seeing Myself. The New Science of Out-of-body Experiences. Robinson, London 2017.

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