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Biophotonen: Das Licht in unseren Zellen erklärt

Biophotonen sind extrem schwache Lichtemissionen lebender Zellen. Jede Pflanze, jedes Tier und jeder Mensch strahlt Photonen im sichtbaren und ultravioletten Bereich ab, so schwach, dass das Auge sie nicht wahrnimmt. Der Biophysiker Fritz-Albert Popp wies die Emission in den 1970er Jahren nach, Marco Bischof machte sie 1995 mit dem Buch „Biophotonen. Das Licht in unseren Zellen“ bekannt.

Redaktion transpersonal.de· Stand:

Redaktionell erstellt anhand offengelegter Quellen. Kein Ersatz für psychotherapeutischen oder ärztlichen Rat.

Was Biophotonen sind

Der Begriff setzt sich aus „Bio” (Leben) und „Photon” (Lichtquant) zusammen. Gemeint ist die ultraschwache Photonenemission (englisch ultraweak photon emission, UPE) biologischer Systeme. Die Intensität liegt bei wenigen bis einigen hundert Photonen pro Sekunde und Quadratzentimeter Gewebeoberfläche, um viele Größenordnungen unter jeder Glühbirne.

Drei Eigenschaften unterscheiden Biophotonen von gewöhnlichem Streulicht:

  • Sie stammen aus dem Stoffwechsel selbst. Angeregte Moleküle, vor allem aus oxidativen Prozessen, geben beim Zurückfallen in den Grundzustand Photonen ab.
  • Sie spiegeln den Zellzustand. Stress, Krankheit, Alterung oder Nährstoffmangel verändern Intensität und Rhythmus der Emission. Gesunde und kranke Zellen desselben Typs zeigen messbar unterschiedliche Muster.
  • Sie werden gespeichert und wieder abgegeben. Bestrahlt man Zellen kurz mit Licht, klingt die anschließende Emission nicht sofort ab, sondern nach einem charakteristischen Muster (verzögerte Lumineszenz). Popp leitete daraus die Hypothese ab, dass die DNA als Lichtspeicher wirkt.

Die Geschichte: von Gurwitsch bis Popp

Die erste Beobachtung geht auf den russischen Mediziner Alexander Gurwitsch zurück. Er beschrieb 1923 „mitogenetische Strahlung”: Zwiebelwurzeln regten benachbarte Wurzeln zur Zellteilung an, auch durch eine Quarzscheibe hindurch, nicht aber durch gewöhnliches Glas, das UV-Licht blockiert. In den 1930er Jahren wurde das Phänomen in Europa und den USA breit diskutiert, geriet dann aber mangels empfindlicher Messgeräte in Vergessenheit.

Fritz-Albert Popp (1938 bis 2018) griff das Thema 1974 an der Universität Marburg wieder auf. Mit seinem Mitarbeiter Bernhard Ruth entwickelte er einen Photonenzähler, der einzelne Lichtquanten aus biologischem Gewebe registrieren konnte. Popp zeigte:

  1. dass praktisch alle lebenden Zellen Photonen abgeben,
  2. dass die Emission mit der DNA zusammenhängt (Versuche mit dem DNA-Interkalator Ethidiumbromid veränderten die Abstrahlung),
  3. dass die Emission Kohärenz-Eigenschaften zeigt, sich also eher wie Laserlicht als wie Wärmestrahlung verhält.

Aus diesen Befunden formulierte Popp die Biophotonentheorie: Das in der DNA gespeicherte Licht bildet ein kohärentes Feld, das als Kommunikations- und Regulationsinstanz zwischen Zellen, Geweben und Organen dient. Wachstum, Differenzierung und Regeneration wären demnach nicht nur biochemisch, sondern auch über dieses Lichtfeld gesteuert. Popp gründete 1996 das Internationale Institut für Biophysik (IIB) in Neuss, ein Netzwerk von Laboren in mehr als zehn Ländern.

Marco Bischof: „Biophotonen. Das Licht in unseren Zellen”

Das Buch erschien im März 1995 bei Zweitausendeins in Frankfurt, mit rund 520 Seiten, über 160 Abbildungen und ausführlicher Bibliografie. Es war die erste umfassende, allgemeinverständliche Darstellung des Themas und lag bereits 1998 in der neunten Auflage vor. Es wurde mit dem Buchpreis 1995 des Scientific and Medical Network (UK) und dem Swiss Award 1997 der Schweizerischen Parapsychologischen Stiftung ausgezeichnet.

Bischof ordnet die Biophotonenforschung in die Geschichte der Biologie und Physik ein, erklärt die Messtechnik und geht auf die philosophischen Konsequenzen ein: Was bedeutet es, wenn Leben nicht nur aus Molekülen, sondern aus einem kohärenten Lichtfeld besteht? Er zieht Verbindungen zu Karl Pribrams holografischem Gehirnmodell, zu Ilya Prigogines dissipativen Strukturen und zu den Regulationsideen der traditionellen chinesischen Medizin (Meridiane) und des Yoga (Prana).

Die englischsprachige Kurzfassung dieses Buches lag jahrelang auf dieser Domain und wurde weltweit zitiert, von Qigong-Instituten über Akupunktur-Praxen bis zu Kabbala-Blogs. Diese Seite ersetzt sie; die englische Zusammenfassung finden Sie am Ende.

Marco Bischof, geboren 1947 in der Schweiz, arbeitet als Wissenschaftsjournalist und Autor an der Schnittstelle von Biophysik, Bewusstseinsforschung und Geomantie. Neben dem Biophotonenbuch veröffentlichte er unter anderem Texte zur außerkörperlichen Erfahrung („Unsere Seele kann fliegen”, Transpersonale Perspektiven 2000), zur integralen Heilkunde und einen Aufsatz über das Martinsloch bei Elm, ein Felsenfenster in den Glarner Alpen, durch das die Sonne zweimal im Jahr auf die Kirche von Elm scheint.

Wo Biophotonen heute gemessen werden

Die Messung ultraschwacher Photonenemission ist inzwischen etablierte Labortechnik, unabhängig davon, wie man Popps weitergehende Theorie bewertet:

  • Lebensmittelforschung: Vergleich von Frische, Lagerung und Anbauweise anhand der Emissionsmuster, etwa bei Eiern, Getreide oder Gemüse.
  • Wasserqualität und Umweltmonitoring: Belastung durch Chemikalien oder elektromagnetische Felder verändert die Emission von Testorganismen.
  • Zellbiologie und Onkologie: Tumorzellen und gesunde Zellen unterscheiden sich in Intensität und verzögerter Lumineszenz; die Methode wird als nichtinvasiver Marker erforscht.
  • Hautdiagnostik: Oxidativer Stress in der Haut lässt sich über die Photonenemission verfolgen, was in der Kosmetikforschung genutzt wird.
  • Meditations- und Qigong-Forschung: Einzelne Studien beschreiben veränderte Emissionsmuster bei geübten Meditierenden.

Biophotonen-Therapie: Was ist dran?

Unter dem Stichwort „Biophotonen-Therapie” werden verschiedene Verfahren angeboten: Lichtbestrahlung mit Glasstäben oder Glasplatten, Biophotonen-Pflaster, Frequenzgeräte und Ähnliches. Wichtig zur Einordnung:

  • Die Messung von Biophotonen ist gut belegt. Die therapeutische Zufuhr von Licht mit dem Ziel, das Biophotonenfeld zu „ordnen”, ist eine Hypothese, für die kontrollierte klinische Studien fehlen.
  • Popp selbst hat sich von manchen kommerziellen Geräten distanziert, die sich auf seinen Namen berufen.
  • Wer solche Verfahren ausprobiert, sollte sie als Ergänzung verstehen, nicht als Ersatz für ärztliche Diagnostik und Behandlung. Aussagen wie „heilt Krebs” sind unzulässig und nicht belegt.

Populär ist die Behauptung, Popp habe gezeigt, dass Mistel den Biophotonenhaushalt „wieder auffüllen” könne. Richtig ist, dass Popp Mistelextrakte und andere Pflanzenstoffe hinsichtlich ihrer Photonenemission untersuchte. Ein Heilversprechen lässt sich daraus nicht ableiten. Was dagegen medizinisch belegt ist, wenn Licht auf den Körper trifft, steht unter Lichttherapie.

Biophotonen und Bewusstsein

Für die transpersonale Psychologie ist das Thema interessant, weil es eine physikalische Sprache für das anbietet, was Kontemplative seit Jahrhunderten als „inneres Licht” beschreiben. Popp und Bischof sehen im kohärenten Biophotonenfeld eine mögliche Schnittstelle zwischen Körper und Bewusstsein. Das ist eine Hypothese, keine Tatsache, aber eine, die Biologie, Physik und Bewusstseinsforschung in ein Gespräch bringt. Wer die Erfahrungsseite dieser Frage sucht, findet sie unter Grenzerfahrungen des Bewusstseins.

Häufige Fragen

Kann man Biophotonen sehen?

Nein. Die Emission liegt bei wenigen bis einigen hundert Photonen pro Sekunde und Quadratzentimeter, viele Größenordnungen unter der Wahrnehmungsschwelle des Auges. Messbar ist sie nur mit Photomultipliern in vollständig abgedunkelten Kammern.

Sind Biophotonen wissenschaftlich anerkannt?

Die Messung ultraschwacher Photonenemission ist etablierte Labortechnik und in Fachzeitschriften vielfach beschrieben. Popps weitergehende Theorie, dass ein kohärentes Lichtfeld die Zellkommunikation steuert, ist dagegen eine Hypothese, die in der Biophysik kontrovers diskutiert wird.

Was ist eine Biophotonen-Therapie?

Ein Sammelbegriff für Verfahren, die Licht über Glasstäbe, Platten, Pflaster oder Geräte zuführen, um das „Biophotonenfeld“ zu ordnen. Kontrollierte klinische Studien dazu fehlen. Solche Verfahren sind allenfalls Ergänzung, nie Ersatz ärztlicher Behandlung.

Hat Fritz-Albert Popp Krebs mit Biophotonen behandelt?

Nein. Popp untersuchte, ob sich Tumorzellen und gesunde Zellen in ihrer Photonenemission unterscheiden, als möglichen Diagnosemarker. Eine Behandlung hat er daraus nie abgeleitet und sich von entsprechenden Werbeaussagen distanziert.

Summary in English

Biophotons, or ultraweak photon emission of biological systems, are weak electromagnetic waves in the optical range of the spectrum: in other words, light. All living cells of plants, animals and humans emit biophotons that cannot be seen by the naked eye but can be measured with photomultiplier equipment. First described by Alexander Gurwitsch in 1923 as mitogenetic radiation, the phenomenon was rediscovered in 1974 by German biophysicist Fritz-Albert Popp, who proposed that DNA produces and stores these photons and that a coherent web of light connects cells, tissues and organs, acting as the organism's main communication network. Marco Bischof's book Biophotons: The Light in Our Cells (Zweitausendeins, 1995) was the first comprehensive account for a general and scientific readership; the English introduction to that book was hosted on this domain for many years, and this page replaces it. Measurement of ultraweak photon emission is now established laboratory technique in food science, environmental monitoring and cell biology. Claims that biophoton therapies cure disease, or that mistletoe restores low biophoton levels, are not supported by clinical evidence.

Quellen

  • Bischof, Marco: Biophotonen. Das Licht in unseren Zellen. Zweitausendeins, Frankfurt 1995.
  • Popp, Fritz-Albert: Biologie des Lichts. Grundlagen der ultraschwachen Zellstrahlung. Parey, Berlin 1984.
  • Gurwitsch, Alexander: Die Natur des spezifischen Erregers der Zellteilung. Archiv für mikroskopische Anatomie und Entwicklungsmechanik 100 (1923).
  • Cifra, Michal; Pospíšil, Pavel: Ultra-weak photon emission from biological samples. Journal of Photochemistry and Photobiology B 139 (2014).
  • International Institute of Biophysics (IIB), Neuss: Selbstdarstellung und Publikationsliste.

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