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Holotropes Atmen: Ablauf, Wirkung, Risiken und Anbieter

Holotropes Atmen ist eine von Stanislav und Christina Grof in den 1970er Jahren entwickelte Methode, mit beschleunigtem Atmen, Musik und Körperarbeit nicht-alltägliche Bewusstseinszustände zu erreichen, ohne Substanzen. Eine Sitzung dauert zwei bis drei Stunden, findet in Gruppen statt und wird von zertifizierten Facilitators geleitet. Was passiert, für wen es geeignet ist, was es kostet und woran man seriöse Anbieter erkennt.

Redaktion transpersonal.de· Stand:

Redaktionell erstellt anhand offengelegter Quellen. Kein Ersatz für psychotherapeutischen oder ärztlichen Rat.

Herkunft

Stanislav Grof hatte in Prag und Baltimore über 4.000 LSD-Sitzungen begleitet, als die Substanz Anfang der 1970er Jahre verboten wurde. Am Esalen Institute in Big Sur entwickelte er mit seiner Frau Christina eine Methode, die ohne Substanz vergleichbare Zustände erreichen sollte. Die Bausteine kannten sie aus verschiedenen Traditionen: beschleunigtes Atmen aus Yoga und schamanischen Ritualen, evokative Musik aus Trancetechniken, Körperarbeit aus der Bioenergetik nach Reich und Lowen. „Holotrop” ist ein Kunstwort aus dem Griechischen und bedeutet „sich auf Ganzheit zu bewegend”.

Ablauf einer Sitzung

Ein typisches Wochenende hat zwei Atemsitzungen. Jede folgt demselben Muster:

  1. Vorbereitung (1 bis 2 Stunden am Vorabend oder Vormittag): Erklärung der Methode, Abfrage von Ausschlusskriterien, Einteilung in Paare.
  2. Die Sitzung (2 bis 3 Stunden): Die Hälfte der Gruppe liegt mit Augenbinde auf Matten und atmet schneller und tiefer als gewöhnlich. Dazu läuft laute, dramaturgisch aufgebaute Musik, zunächst rhythmisch, dann intensiv, am Ende ruhig. Die andere Hälfte sitzt daneben als „Sitter”: anwesend, schützend, ohne einzugreifen, außer auf Wunsch (Wasser, Taschentuch, Halt). Facilitators gehen durch den Raum und bieten bei Bedarf fokussierte Körperarbeit an, etwa Gegendruck bei Verspannungen.
  3. Mandala (30 bis 60 Minuten): Direkt danach malt jede Person ein Bild der Erfahrung, ohne zu sprechen.
  4. Sharing (1 bis 2 Stunden): Die Gruppe erzählt, ohne Deutung durch andere.
  5. Wechsel: In der zweiten Sitzung tauschen Atmende und Sitter.

Was in der Sitzung auftaucht, ordnet Grof seinen drei Ebenen zu: biografisch, perinatal, transpersonal. Die Facilitators deuten nicht, sie halten den Raum.

Was die Forschung sagt

Es gibt keine großen randomisierten Studien. Die beste Datenquelle ist ein klinischer Bericht von James Eyerman über den Einsatz Holotropen Atmens bei über 11.000 stationären psychiatrischen Patientinnen und Patienten in St. Louis zwischen 1989 und 2001: keine ernsten Zwischenfälle, subjektiv hohe Zufriedenheit. Kleine Studien beschreiben Verbesserungen in Selbstwahrnehmung und Temperamentsmaßen nach mehreren Sitzungen. Der Mechanismus ist physiologisch klar (Hyperventilation, Kohlendioxidabfall, Verengung der Hirngefäße), die psychologische Deutung ist Interpretation. Ein Bericht in einer psychiatrischen Klinik ist kein Wirksamkeitsnachweis; er ist ein Sicherheitsnachweis unter Aufsicht.

Ausschlusskriterien

Diese Liste ist Standard in der Ausbildung und wird von seriösen Anbietern vor jeder Sitzung abgefragt:

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Aneurysmen
  • Schwangerschaft
  • Epilepsie
  • Glaukom, Netzhautablösung
  • Kürzliche Operationen, Verletzungen, Knochenbrüche
  • Akute psychische Erkrankungen, insbesondere Psychosen, bipolare Störungen in akuter Phase
  • Schwere Asthma-Erkrankung (Inhalator mitnehmen, Leitung informieren)

Wer eines dieser Kriterien erfüllt und trotzdem teilnehmen darf, ist beim falschen Anbieter.

Anbieter erkennen

Die Marke „Holotropic Breathwork” ist geschützt. Führen darf sie nur, wer die Ausbildung bei Grof Transpersonal Training (GTT, bis 2020) oder Grof Legacy Training (seit 2020) abgeschlossen hat. Die Ausbildung umfasst mindestens 600 Stunden über zwei bis drei Jahre. Das Facilitator-Verzeichnis ist auf der Website des Grof Legacy Training öffentlich. Angebote, die „holotropes Atmen” oder „ähnlich wie Grof” versprechen, ohne Zertifikat, sind Breathwork unter anderem Namen, was nicht schlecht sein muss, aber etwas anderes ist. Wer die Methode in Ausbildung lernen will, findet die Wege unter Ausbildung.

Für wen es geeignet ist

Holotropes Atmen ist keine Entspannungstechnik. Es ist ein Werkzeug für Menschen, die sich mit Themen unter der Alltagsoberfläche befassen wollen und die Zeit und Stabilität haben, das aufgetauchte Material nachher zu integrieren. Ein Wochenende ist ein guter Anfang; wer öfter atmet, sollte parallel eine therapeutische Begleitung haben oder zumindest wissen, wo sie zu finden ist. Für den Überblick über alle Atemmethoden: Atemarbeit.

Häufige Fragen

Wie fühlt sich Holotropes Atmen an?

Sehr unterschiedlich. Berichtet werden intensive Körperempfindungen (Kribbeln, Krämpfe, Hitze), starke Emotionen (Weinen, Wut, Lachen), lebhafte innere Bilder, Erinnerungen an frühe Lebensphasen bis hin zu Geburtserfahrungen, und Zustände tiefer Ruhe. Manche erleben in der ersten Sitzung wenig. Zwei Sitzungen sind selten gleich.

Was kostet ein Holotropes-Atmen-Wochenende?

In Deutschland zwischen 250 und 500 Euro für ein Wochenende mit zwei Atemsitzungen, ohne Unterkunft. Mehrtägige Retreats im Seminarhaus liegen bei 600 bis 1.200 Euro inklusive Verpflegung.

Ist Holotropes Atmen Hyperventilation?

Physiologisch ja: Der Kohlendioxidgehalt im Blut sinkt. Der Unterschied zur Panikattacke ist das Setting: freiwillig, begleitet, mit Vorbereitung und Nachbereitung. Die körperlichen Begleiterscheinungen sind dieselben und vergehen nach der Sitzung.

Quellen

  • Grof, Stanislav; Grof, Christina: Holotropes Atmen. Eine neue Methode der Selbsterforschung und Therapie. Nachtschatten, Solothurn 2013.
  • Grof, Stanislav: Das Abenteuer der Selbstentdeckung. Kösel, München 1987.
  • Eyerman, James: A Clinical Report of Holotropic Breathwork in 11,000 Psychiatric Inpatients. MAPS Bulletin 23 (2013).
  • Rhinewine, Joseph; Williams, Oliver: Holotropic Breathwork: The Potential Role of a Prolonged, Voluntary Hyperventilation Procedure as an Adjunct to Psychotherapy. Journal of Alternative and Complementary Medicine 13 (2007).
  • Grof Legacy Training: Ausbildungsstandards und Facilitator-Verzeichnis, Stand 2026.

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